Bartlücken kaschieren: So wirkt der Bart deutlich dichter
Ein dichter Vollbart gehört für viele Männer zu den Dingen, die auf Werbefotos erstaunlich einfach aussehen. Man hört auf, sich zu rasieren, wartet ein paar Wochen und verwandelt sich scheinbar automatisch in einen kernigen Holzfäller mit tadelloser Gesichtsbehaarung. In der Realität entwickelt der Bart allerdings häufig seinen eigenen Charakter. An den Wangen bleiben Lücken, der Schnurrbart will sich nicht mit dem Kinnbart verbinden und an einer Gesichtshälfte wachsen die Haare offenbar motivierter als an der anderen. Das ist weder ungewöhnlich noch ein Grund, die Rasierklinge endgültig wieder hervorzuholen. Ein lückiger Bart kann ausgesprochen gepflegt und markant wirken, wenn Länge, Konturen und Bartform zu seinem tatsächlichen Wuchs passen. Der entscheidende Fehler besteht meistens nicht darin, zu wenig Bart zu haben. Problematisch wird es erst, wenn man versucht, einen Bartstil zu tragen, für den an den falschen Stellen die nötige Dichte fehlt.
Erst wachsen lassen und dann urteilen
Nach wenigen Tagen lässt sich noch kaum beurteilen, wie ein Bart später aussehen wird. Kurze Haare stehen stärker vom Gesicht ab und machen jeden kleinen Abstand sichtbar. Gleichzeitig wachsen nicht alle Bereiche vollkommen gleichmäßig. Wer bereits nach einer Woche nervös vor dem Spiegel steht und einzelne Lücken entdeckt, fällt sein Urteil daher meist zu früh. Sinnvoller ist es, den Bart zunächst mehrere Wochen wachsen zu lassen und nur den Hals sowie offensichtlich störende Ausreißer vorsichtig zu säubern. Mit zunehmender Länge legen sich die Haare übereinander und können kleinere Zwischenräume verdecken. Außerdem zeigt sich erst dann, welche natürliche Form der Bart besitzt. Vielleicht bleiben die Wangen tatsächlich dünner, während Kinn und Oberlippe kräftig wachsen. Das wäre keine Niederlage, sondern bereits ein deutlicher Hinweis darauf, dass ein kürzerer Vollbart, ein markanter Kinnbart oder ein kräftiger Schnurrbart besser funktioniert als ein langer, flächiger Bart.
Die passende Länge macht den Unterschied
Bei Bartlücken gilt nicht automatisch, dass mehr Länge auch mehr Dichte erzeugt. Einige zusätzliche Millimeter können dünnere Stellen zwar überdecken, zu lange Haare wirken an schwach bewachsenen Wangen jedoch schnell durchsichtig und ungeordnet. Besonders ungünstig ist ein Bart, bei dem kräftige Bereiche immer länger werden, während die lückigen Stellen vergeblich versuchen, mitzuhalten. Dadurch entstehen starke Kontraste und die ungleichmäßige Verteilung fällt erst recht auf. Häufig funktioniert eine einheitliche Länge zwischen einem gepflegten Dreitagebart und einem kurzen Vollbart am besten. Die Haare sind dann lang genug, um kleine Lücken optisch zu schließen, aber noch kurz genug, um als zusammenhängende Fläche wahrgenommen zu werden. Welche Einstellung am Trimmer ideal ist, lässt sich nicht allgemein festlegen. Man arbeitet sich besser schrittweise von einer längeren Einstellung nach unten, statt sofort zu viel abzunehmen. Was einmal im Waschbecken liegt, lässt sich schließlich auch mit männlicher Entschlossenheit nicht wieder ankleben.
Klare Konturen lenken den Blick
Ein Bart wirkt dichter, wenn seine äußere Form eindeutig erkennbar ist. Eine ausgefranste Halslinie, einzelne Haare weit oben auf den Wangen und unterschiedlich lange Ränder erzeugen Unruhe. Der Betrachter nimmt dann nicht den Bart als Ganzes wahr, sondern konzentriert sich unbewusst auf seine ungleichmäßigen Stellen. Eine sauber definierte Halslinie schafft dagegen einen klaren Abschluss. Sie sollte nicht direkt am Kiefer verlaufen, weil der Bart dadurch von der Seite schnell wie ein schmaler Streifen aussieht. Besser ist eine leicht geschwungene Linie oberhalb des Kehlkopfs, die zu beiden Seiten in Richtung Kiefer ansteigt. Auch die Wangenlinie muss nicht künstlich hochgezogen werden. Dort, wo nur vereinzelte Haare wachsen, ist eine etwas tiefere und dafür geschlossene Linie meistens vorteilhafter. Man verzichtet damit zwar auf wenige Quadratmillimeter Bart, gewinnt aber eine deutlich ruhigere und kräftigere Gesamtwirkung.
Die Bartform dem Wachstum anpassen
Nicht jeder Mann muss einen klassischen Vollbart tragen. Wächst der Bart am Kinn und rund um den Mund besonders kräftig, können ein breiter Kinnbart, ein Anchor-Bart oder eine Kombination aus Schnurrbart und kurzem Kinnbereich sehr gut aussehen. Sind die Wangen brauchbar bewachsen, während zwischen Schnurrbart und Kiefer kleine Lücken bleiben, kann ein bewusst kurz gehaltener Vollbart die beste Wahl sein. Bei sehr ungleichmäßigem Wuchs bietet sich wiederum ein gepflegter Dreitagebart an. Seine Stärke liegt darin, dass er nicht den Eindruck einer vollkommen geschlossenen Fläche erwecken muss. Entscheidend ist, den vorhandenen Bart nicht als misslungenen Vollbart zu behandeln, sondern als Ausgangsmaterial für eine passende Form. Auch ein Schneider versucht nicht, aus einem Meter Stoff einen Wintermantel zu nähen. Er entscheidet sich für ein Kleidungsstück, das sich aus dem vorhandenen Material tatsächlich herstellen lässt.
Bürste, Föhn und Bartbalsam richtig einsetzen
Bartpflegeprodukte können keine neuen Haare hervorzaubern, sie können vorhandene Haare aber deutlich besser zur Geltung bringen. Nach dem Waschen sollte der Bart zunächst vorsichtig getrocknet und anschließend in die gewünschte Richtung gebürstet werden. Wachsen die Haare rund um eine Lücke schräg nach außen, lässt sie das noch größer erscheinen. Werden sie dagegen kontrolliert darübergelegt, entsteht eine ruhigere Fläche. Bei etwas längeren Bärten kann ein Föhn auf niedriger Temperatur helfen. Während die warme Luft den Bart formt, führt man eine Bürste langsam in die gewünschte Richtung. Anschließend fixiert eine kleine Menge Bartbalsam das Ergebnis. Dabei ist Zurückhaltung gefragt. Zu viel Produkt verklebt die Haare, lässt sie in einzelnen Strähnen zusammenfallen und legt den Blick auf die Haut erst recht frei. Ziel ist kein lackierter Barthelm, sondern eine natürliche Form, die den Tag über weitgehend an ihrem Platz bleibt.
Die Farbe beeinflusst die sichtbare Dichte
Sehr dunkle Barthaare auf heller Haut erzeugen einen starken Kontrast. Dadurch wird zwar jedes einzelne Haar deutlich sichtbar, allerdings gilt dasselbe für die Haut zwischen den Haaren. Bei einem kurzen Bart kann dieser Kontrast markant wirken, bei längeren und lückigen Wangen fällt die ungleichmäßige Dichte hingegen stärker auf. Helle, graue oder rötliche Barthaare erscheinen aus der Entfernung häufig weicher, können bei ungünstigem Licht aber nahezu verschwinden. In beiden Fällen hilft eine gleichmäßige Länge mehr als der Versuch, einzelne Stellen möglichst lang wachsen zu lassen. Manche Männer verwenden Bartstifte oder spezielle Farbpuder, um kleine Lücken für besondere Anlässe zu kaschieren. Das kann funktionieren, solange das Produkt sparsam eingesetzt und sorgfältig verblendet wird. Eine großflächig aufgemalte Wange sieht dagegen selten nach dichtem Bart aus. Sie erinnert eher daran, dass auch Männer beim Schminken Fehler machen können.
Geduld ist sinnvoller als tägliche Kontrolle
Wer seinen Bart jeden Morgen aus wenigen Zentimetern Entfernung betrachtet, entdeckt zwangsläufig Unregelmäßigkeiten. Andere Menschen sehen ihn jedoch normalerweise als Teil des gesamten Gesichts und nicht unter dem Vergrößerungsspiegel. Kleine Lücken, unterschiedlich ausgerichtete Haare oder eine etwas schwächere Gesichtshälfte fallen deshalb weit weniger auf, als man selbst vermutet. Hilfreicher als die tägliche Nahkontrolle ist ein Foto bei normalem Tageslicht und aus gewöhnlichem Gesprächsabstand. Auf diese Weise erkennt man, wie der Bart tatsächlich wirkt. Veränderungen an Länge oder Kontur sollte man anschließend einzeln vornehmen und einige Tage beobachten. Wer gleichzeitig kürzt, die Wangenlinie verändert, neues Bartbalsam verwendet und den Schnurrbart stutzt, weiß am Ende nicht, welche Maßnahme das Ergebnis verbessert oder verschlechtert hat.
Ein guter Bart muss nicht vollkommen sein
Ein Bart lebt von seiner Form, seiner Pflege und davon, ob er zum Gesicht seines Trägers passt. Vollständige Gleichmäßigkeit ist dafür nicht erforderlich. Im Gegenteil: Kleine Unterschiede geben ihm Charakter und sorgen dafür, dass er nicht wie ein angeklebtes Zubehörteil aussieht. Wichtig ist, die kräftigen Bereiche zu betonen, schwächere Stellen nicht unnötig freizulegen und eine Länge zu wählen, bei der der Bart geschlossen wirkt. Saubere Konturen, regelmäßiges Trimmen und kontrolliertes Styling leisten dabei mehr als zweifelhafte Wundermittel. Der beste Bart ist nicht der längste oder dichteste, sondern derjenige, der bewusst gestaltet aussieht. Wer seine natürliche Wuchsrichtung akzeptiert und mit ihr arbeitet, kann auch aus einem ungleichmäßigen Bart einen markanten Teil seines Erscheinungsbildes machen.

Neueste Kommentare