Auto selten gefahren? So verhindern Sie teure Standschäden
Ein Auto, das nur selten benutzt wird, scheint auf den ersten Blick ein besonders entspanntes Leben zu führen. Es muss keine täglichen Staus ertragen, sammelt kaum Autobahnkilometer und wird vermutlich auch seltener von Einkaufswagen, Schlaglöchern oder hektischen Parkplatznachbarn bedroht. Trotzdem ist langes Herumstehen für ein Fahrzeug keineswegs erholsam. Viele Bauteile sind darauf ausgelegt, regelmäßig bewegt, geschmiert, erwärmt oder elektrisch geladen zu werden. Bleibt das Auto über Wochen nahezu unverändert am selben Platz, können Batterie, Reifen, Bremsen, Dichtungen und Klimaanlage darunter leiden. Das Tückische daran ist, dass sich solche Standschäden häufig erst dann zeigen, wenn das Fahrzeug dringend gebraucht wird. Wer sein Auto nur als Reserve, Wochenendfahrzeug oder saisonales Freizeitmobil nutzt, sollte es deshalb nicht einfach abstellen und vergessen.
Die Autobatterie leidet meist zuerst
Die häufigste Überraschung bei einem selten bewegten Auto ist eine leere Starterbatterie. Auch bei ausgeschalteter Zündung verbrauchen moderne Fahrzeuge weiterhin Strom. Alarmanlage, Zentralverriegelung, Steuergeräte, Funkempfänger und verschiedene Komfortfunktionen bleiben zumindest teilweise aktiv. Bei regelmäßigen Fahrten gleicht die Lichtmaschine diesen Verbrauch wieder aus. Steht das Fahrzeug jedoch mehrere Wochen, sinkt der Ladezustand langsam ab. Besonders im Winter oder bei einer bereits älteren Batterie kann irgendwann nicht mehr genügend Energie zum Starten vorhanden sein. Kurze Fahrten von wenigen Kilometern lösen das Problem nicht unbedingt, weil der Motorstart selbst viel Strom benötigt und die Lichtmaschine kaum Zeit zum Nachladen bekommt. Besser ist eine ausreichend lange Fahrt oder ein geeignetes Erhaltungsladegerät, sofern am Stellplatz ein Stromanschluss vorhanden ist.
Eine kurze Runde um den Häuserblock reicht nicht
Viele Fahrzeughalter glauben, dem Auto bereits mit einer zehnminütigen Bewegungsfahrt etwas Gutes zu tun. Tatsächlich kann eine solche Kurzstrecke sogar zusätzliche Probleme verursachen. Der Motor erreicht möglicherweise nicht seine vollständige Betriebstemperatur, Feuchtigkeit bleibt im Öl und in der Abgasanlage zurück, und die Batterie erhält nur einen Teil der beim Start verbrauchten Energie zurück. Sinnvoller ist es, das Fahrzeug in größeren Abständen für mindestens eine halbe Stunde zu bewegen und dabei möglichst unterschiedliche Fahrsituationen einzubeziehen. Das Auto sollte vollständig warm werden, die Bremsen sollten normal beansprucht und auch Klimaanlage sowie elektrische Verbraucher kurz genutzt werden. Es geht dabei nicht darum, den Motor mit hohen Drehzahlen zu quälen. Eine ruhige, längere Fahrt ist für ein selten genutztes Auto wesentlich hilfreicher als mehrere hastige Kurzstrecken.
Reifen können sich beim langen Stehen verformen
Steht ein Fahrzeug über längere Zeit immer auf derselben Reifenstelle, wird dieser Bereich dauerhaft belastet. Bei zu niedrigem Luftdruck kann sich dadurch eine sogenannte Standplatte entwickeln. Nach dem Losfahren fühlt sich das Auto dann zunächst an, als wären die Räder nicht mehr rund. Häufig verschwindet eine leichte Verformung wieder, sobald die Reifen warm werden. Bei sehr langen Standzeiten oder älteren Reifen kann der Effekt allerdings bestehen bleiben. Vor dem Abstellen sollte deshalb der Reifendruck kontrolliert und gegebenenfalls leicht erhöht werden, wobei die zulässigen Werte des Fahrzeugs und der Reifen beachtet werden müssen. Wer das Auto regelmäßig ein kleines Stück vor- oder zurücksetzt, verändert zwar die belastete Reifenstelle, löst damit aber die übrigen Probleme des Stillstands nicht. Besser bleibt eine echte Bewegungsfahrt, bei der Reifen, Radlager, Fahrwerk und Bremsen gemeinsam arbeiten.
Auch das Reifenalter spielt eine Rolle
Ein wenig gefahrenes Auto besitzt häufig Reifen mit ausgezeichnetem Profil, die dennoch längst nicht mehr neu sind. Die geringe Laufleistung täuscht darüber hinweg, dass Gummi unabhängig von den gefahrenen Kilometern altert. UV-Strahlung, Temperaturwechsel, Feuchtigkeit und Sauerstoff verändern das Material. Reifen können dadurch härter werden, feine Risse entwickeln und bei Nässe oder niedrigen Temperaturen deutlich weniger Haftung bieten. Das Herstellungsdatum lässt sich anhand der DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke erkennen. Die letzten vier Ziffern geben Kalenderwoche und Herstellungsjahr an. Ein Reifen mit der Kennzeichnung 1821 wurde beispielsweise in der 18. Kalenderwoche des Jahres 2021 produziert. Bei selten genutzten Fahrzeugen sollte deshalb nicht nur die Profiltiefe kontrolliert werden. Auch Alter, Rissbildung, Verformungen und das Fahrverhalten verdienen Aufmerksamkeit.
Flugrost auf den Bremsscheiben ist zunächst normal
Nach einigen feuchten Tagen kann sich auf den Bremsscheiben eine dünne Rostschicht bilden. Das ist bei vielen Fahrzeugen normal und verschwindet meist bereits nach den ersten vorsichtigen Bremsungen. Problematisch wird es, wenn das Auto über Wochen oder Monate unbewegt steht. Dann kann die Korrosion tiefer in die Oberfläche eindringen und zu ungleichmäßiger Bremswirkung, Geräuschen oder spürbarem Rubbeln führen. Besonders ungünstig ist ein feuchter Stellplatz im Freien. Bei der ersten Fahrt nach einer längeren Pause sollte die Bremswirkung daher aufmerksam geprüft werden. Einige kontrollierte Bremsungen auf einer sicheren, freien Strecke können leichten Rost entfernen. Bleiben Schleifgeräusche, Vibrationen oder eine schwache Bremsleistung bestehen, gehört das Fahrzeug in eine Werkstatt. Bei Bremsen ist männlicher Optimismus kein geeignetes Prüfverfahren.
Die Feststellbremse kann festsetzen
Wird die mechanische Feststellbremse über sehr lange Zeit angezogen, können Bremsbeläge oder Bremsseile festsetzen. Das Risiko steigt bei Feuchtigkeit, Frost und älteren Bauteilen. Auf einem ebenen und gesicherten privaten Stellplatz kann es deshalb sinnvoll sein, das Fahrzeug mit eingelegtem Gang beziehungsweise in der Parkstellung des Automatikgetriebes abzustellen und zusätzlich geeignete Unterlegkeile zu verwenden. Dabei müssen jedoch die örtlichen Gegebenheiten und die Herstellerhinweise beachtet werden. Auf abschüssigem Gelände darf das Auto selbstverständlich nicht unzureichend gesichert werden. Elektrische Parkbremsen arbeiten je nach Fahrzeug anders und können sich teilweise automatisch aktivieren. Wer sein Auto für mehrere Monate einlagert, sollte daher vorher in der Bedienungsanleitung nachlesen, welche Vorgehensweise der Hersteller empfiehlt.
Motoröl altert auch ohne hohe Laufleistung
Motoröl wird nicht ausschließlich durch gefahrene Kilometer beansprucht. Auch Zeit, Feuchtigkeit, Kraftstoffeintrag und häufige Kaltstarts beeinflussen seine Eigenschaften. Bei Fahrzeugen, die fast nur kurze Strecken zurücklegen, kann sich Kondenswasser im Öl sammeln, weil der Motor selten lange genug warm wird. Deshalb geben Hersteller Wartungsintervalle meist nicht nur nach Kilometern, sondern zusätzlich nach Zeit vor. Wer in einem Jahr lediglich wenige Tausend Kilometer fährt, kann den Ölwechsel also nicht automatisch mehrere Jahre aufschieben. Das Gleiche gilt für andere Betriebsstoffe und Filter. Ein gepflegtes Scheckheft ist gerade bei wenig genutzten Fahrzeugen wichtig, weil die niedrige Kilometerzahl sonst schnell dazu verleitet, zeitabhängige Wartungsarbeiten zu vergessen.
Dichtungen brauchen gelegentliche Bewegung
Gummidichtungen an Türen, Fenstern und Kofferraum können mit der Zeit austrocknen oder anhaften. Auch Wellendichtringe und andere bewegliche Abdichtungen profitieren davon, wenn das Fahrzeug regelmäßig benutzt wird. Bleibt ein Auto lange unbewegt, können nach der Wiederinbetriebnahme kleinere Undichtigkeiten auftreten. Türdichtungen lassen sich mit einem geeigneten Pflegemittel geschmeidig halten. Dabei sollte kein beliebiges Öl verwendet werden, da ungeeignete Produkte das Material angreifen können. Türen, Fensterheber, Schiebedach und Kofferraum sollten gelegentlich betätigt werden, damit Mechanik und Dichtungen nicht über Monate in derselben Position verharren. Bei einem Cabriolet verdient auch das Verdeck Aufmerksamkeit. Es sollte sauber und vollständig trocken sein, bevor das Fahrzeug für längere Zeit abgestellt wird.
Die Klimaanlage sollte auch im Winter laufen
Eine Klimaanlage wird häufig nur an heißen Sommertagen eingeschaltet. Dabei erfüllt sie auch im Winter eine nützliche Funktion, weil sie der Luft Feuchtigkeit entzieht und beschlagene Scheiben schneller freibekommt. Außerdem zirkuliert beim Betrieb Kältemittel mit Schmierstoffen durch das System. Wird die Anlage über viele Monate gar nicht verwendet, können Dichtungen austrocknen und Kältemittelverluste begünstigt werden. Bei einer regelmäßigen Bewegungsfahrt sollte die Klimaanlage deshalb für einige Minuten eingeschaltet werden, sofern die Anlage und die Außentemperatur dies zulassen. Auch das Gebläse sollte auf verschiedenen Stufen laufen. Entsteht nach einer längeren Standzeit ein muffiger Geruch, können Feuchtigkeit und Mikroorganismen im Verdampfer oder Innenraumfilter die Ursache sein.
Der Innenraum darf nicht dauerhaft feucht bleiben
Feuchtigkeit im Innenraum verursacht beschlagene Scheiben, unangenehme Gerüche und im schlimmsten Fall Schimmel. Nasse Fußmatten, feuchte Kleidung, undichte Türdichtungen oder Laub in Wasserabläufen können das Problem verstärken. Vor einer längeren Standzeit sollte der Innenraum sauber und trocken sein. Lebensmittel, Getränkeflaschen und Müll gehören vollständig entfernt. Auch ein scheinbar harmloser Schokoriegel im Handschuhfach kann bei sommerlichen Temperaturen eine erstaunliche Entwicklung durchmachen. Steht das Auto in einer gut belüfteten Garage, können die Fenster unter sicheren Bedingungen einen kleinen Spalt geöffnet bleiben. Im öffentlichen Raum ist das wegen Diebstahl, Regen und Tieren jedoch keine vernünftige Lösung. Dort helfen regelmäßiges Lüften und die Kontrolle auf Feuchtigkeit.
Kraftstoff sollte nicht jahrelang im Tank bleiben
Benzin und Diesel sind nicht unbegrenzt lagerfähig. Über lange Zeiträume können sich ihre Eigenschaften verändern, wobei auch Temperatur, Tankfüllstand und Kraftstoffzusammensetzung eine Rolle spielen. Für einige Wochen oder wenige Monate muss man sich normalerweise keine großen Sorgen machen. Soll ein Fahrzeug jedoch sehr lange eingelagert werden, lohnt sich eine gezielte Vorbereitung. Ein ausreichend gefüllter Tank reduziert bei Metalltanks den freien Raum, in dem sich Feuchtigkeit niederschlagen kann. Bei extrem langen Standzeiten können spezielle Kraftstoffstabilisatoren sinnvoll sein, sofern sie für das jeweilige Fahrzeug und den Kraftstoff geeignet sind. Wer das Auto nur alle paar Wochen bewegt, sollte den vorhandenen Kraftstoff dagegen einfach regelmäßig verbrauchen und nicht ständig kleine Mengen nachfüllen, bis eine historische Sammlung unterschiedlicher Tankstellenjahrgänge entstanden ist.
Scheibenwischer mögen keine Dauerbelastung
Liegen Scheibenwischer monatelang in derselben Position auf der Scheibe, können sich die Gummilippen verformen. Das Ergebnis sind Schlieren, ruckelnde Bewegungen und schlechte Sicht bei Regen. Bei längerer Einlagerung können die Wischerarme mit geeigneten Abstandshaltern leicht von der Scheibe abgehoben werden. Vollständig hochgeklappte Wischerarme sind dagegen nicht immer ideal, weil die Federn über lange Zeit gespannt bleiben und die Arme versehentlich zurückschlagen können. Vor der nächsten Fahrt sollten die Wischerblätter gereinigt und auf Risse untersucht werden. Auch die Scheibenwaschanlage muss ausreichend befüllt sein. Im Winter gehört ein geeignetes Frostschutzmittel hinein, denn eine eingefrorene Pumpe oder ein geplatzter Behälter ist eine unnötig teure Erinnerung daran, dass Wasser bei Kälte seine eigenen Pläne verfolgt.
Ein geschützter Stellplatz hilft, ersetzt aber keine Pflege
Eine trockene Garage schützt vor Regen, Schnee, UV-Strahlung und starken Temperaturschwankungen. Sie ist für ein selten gefahrenes Auto daher meist besser als ein dauerhafter Stellplatz im Freien. Allerdings muss auch eine Garage ausreichend belüftet sein. Wird ein nasses oder mit Streusalz bedecktes Auto in einem schlecht belüfteten Raum abgestellt, bleibt die Feuchtigkeit besonders lange am Fahrzeug. Das kann Korrosion sogar begünstigen. Eine Abdeckplane im Freien sollte atmungsaktiv, sauber und passend befestigt sein. Lose Planen können im Wind über den Lack scheuern und kleine Kratzer verursachen. In einer staubigen Garage kann eine hochwertige Innenraumabdeckung sinnvoll sein. Das Fahrzeug muss dafür jedoch sauber und trocken sein, damit eingeschlossener Schmutz nicht bei jeder Berührung über den Lack reibt.
Tiere interessieren sich ebenfalls für abgestellte Fahrzeuge
Ein ruhiges, warmes und selten bewegtes Auto kann für Marder, Mäuse und andere kleine Tiere attraktiv sein. Kabel, Dämmmaterial und geschützte Hohlräume bieten Beschäftigung und Unterschlupf. In Garagen können Nager zudem Lebensmittelreste oder Verpackungen anziehen. Der Stellplatz sollte deshalb sauber gehalten und regelmäßig kontrolliert werden. Vor dem Start nach längerer Standzeit lohnt sich ein Blick unter die Motorhaube. Lose Dämmmatten, angeknabberte Kabel, Nistmaterial oder ungewöhnliche Gerüche können auf tierische Besucher hinweisen. Wer einfach startet, obwohl sich im Motorraum ein Nest befindet, macht aus einer überschaubaren Kontrolle möglicherweise ein technisches und biologisches Ereignis.
Vor der ersten längeren Fahrt gründlich kontrollieren
Nach mehreren Wochen Standzeit sollte das Auto nicht ohne Prüfung direkt auf die Autobahn geschickt werden. Zunächst werden Reifendruck, Reifenoberflächen und sichtbare Flüssigkeitsstände kontrolliert. Unter dem Fahrzeug dürfen keine auffälligen Flecken liegen. Beleuchtung, Scheibenwischer, Bremslicht und Blinker sollten funktionieren. Nach dem Start ist auf ungewöhnliche Warnleuchten, Geräusche oder Gerüche zu achten. Die erste Fahrt beginnt langsam und führt idealerweise über eine Strecke, auf der sich Lenkung, Bremsen und Motorverhalten sicher prüfen lassen. Erst wenn das Fahrzeug normal reagiert, spricht etwas gegen eine längere Tour. Ein Auto verzeiht zwar viele Wochen Ruhe, möchte nach dem Aufwachen aber ebenso wenig sofort Höchstleistungen bringen wie sein Besitzer an einem Montagmorgen.
Regelmäßige Bewegung bleibt die beste Vorsorge
Die wirksamste Maßnahme gegen Standschäden besteht darin, das Fahrzeug in sinnvollen Abständen richtig zu benutzen. Eine längere Fahrt alle zwei bis vier Wochen ist meist hilfreicher als häufiges Starten im Stand. Den Motor lediglich einige Minuten laufen zu lassen, lädt die Batterie kaum, erwärmt das Fahrzeug nicht vollständig und belastet unnötig Umwelt und Technik. Wer sein Auto über mehrere Monate überhaupt nicht benötigt, sollte es dagegen gezielt einlagern und Batterie, Reifen, Flüssigkeiten sowie Stellplatz entsprechend vorbereiten. Ein wenig genutztes Auto kann sehr lange zuverlässig bleiben, wenn die geringe Laufleistung nicht mit Wartungsfreiheit verwechselt wird. Denn auch ein Fahrzeug, das nichts tut, ist technisch betrachtet keineswegs untätig.

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